| Kulle-Gerhard: |
Franz, ich trete zurück!
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| Bärdel-Münte: |
(raucht) Gerd, das kannst du nicht tun. Die Genossinnen und Genossen...
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| Kulle-Gerhard: |
... sind mir scheißegal. Waren mir immer scheißegal. Einzig wichtig war nur Acker und ist Viktoria. Ich kann es nun nicht mehr.
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| Bärdel-Münte: |
Ich hätte gar nicht gedacht, dass einer mit deinem sozialen Hintergrund die Buddenbrooks gelesen hat. Christian Buddenbrook, der Versager der Familie, sagt ständig: Ich kann es nun nicht mehr.' Aber davon ab - du musst weitermachen!
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| Kulle-Gerhard: |
Und warum?
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| Bärdel-Münte: |
Weil du es versprochen hast. Mit Amtseid. Du bist nämlich gewählt. Das Wohl des deutschen Volkes mehren und so weiter. Und eine gute Politik machst du auch!
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| Kulle-Gerhard: |
Ach ja? Das sagst ausgerechnet du? Du bist mir doch in den Rücken meiner Agenda 2010 gefallen mit deinen Heuschrecken!
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| Bärdel-Münte: |
Das sind nicht meine Heuschrecken, sondern internationale. Außerdem wollte ich mit den Heuschrecken unsere katastrophalen Wahlergebnisse korrigieren, die du verschuldet hast!
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| Kulle-Gerhard: |
(kreischt) Ach ja? Eben hast du noch behauptet, ich mache gute Politik!
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| Bärdel-Münte: |
(bleibt ruhig, zündet sich den nächsten Zigarillo an) Machst du auch, denn wir leben in Zeiten der Globalisierung. Da braucht man eine Art von Reformen, zu denen wir Sozialdemokraten früher Restauration gesagt hätten. Leider aber ist das vielen Genossinnen und Genossen nicht bewusst. Und deshalb brauchte ich ein paar Heuschrecken - so einfach ist das.
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| Kulle-Gerhard: |
(schreit) Du konterkarierst mich! Du hast mich lächerlich gemacht! Was soll ich jetzt tun?
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| Bärdel-Münte: |
(zieht ruhig an seinem Zigarillo) Am besten zurücktreten.
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| Kulle-Gerhard: |
(kreischt) Eben hast du noch gesagt, das geht nicht!
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| Bärdel-Münte: |
(ruhig) Der Mensch verwickelt sich eben immer in Widersprüche.
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| Auftritt Claudia Roth und Joseph Fischer
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| Athabasca-Claudia: |
Guten Abend.
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| Ramses-Joschka: |
Guten Abend.
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| Kulle-Gerhard: |
Was wollt ihr denn hier?
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| Athabasca-Claudia und Ramses-Joschka: |
(im Chor) Wir sind zum Essen eingeladen. Von dir! |
| Bärdel-Münte: |
Nicht mehr. |
| Athabasca-Claudia und Ramses-Joschka: |
(im Chor) Wieso nicht?
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| Bärdel-Münte: |
Darum nicht. Wir sind euch keine Rechenschaft schuldig, schließlich sind wir der größere Koalitionspartner. (Pause) Vertraut ihr dem Gerd?
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| Athabasca-Claudia: |
Also, ich finde es aufrichtig und ehrlich, und es ist auch eine Notwendigkeit, und ich habe schon immer, weil es auch nicht anders geht, darauf vertraut, dass Menschen vertrauensvoll miteinander umgehen. Deshalb macht es mich zutiefst betroffen, wenn...
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| Ramses-Joschka: |
(unterbricht) Kannst du in deinem Leben einmal einen Satz zu Ende bringen? Einen vernünftigen Satz? (Pause) Nein, ich habe ihm nie vertraut, dem Gerd. Ich vertraue noch nicht einmal meinen wechselnden Frauen. In der Liebe sollte man vielleicht vertrauen, in der Politik niemals. Dem Gerd schon gar nicht. Der ist ein Machtmensch - und ich weiß, wie so einer denkt.
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| Bärdel-Münte: |
Ihr seid beide wegen mangelnden Vertrauens ausgeladen. Übrigens vertrauen wir in der Espehde einander auch nicht mehr. Es ist Zeit für eine Trennung von Tisch und Bett. Wir sollten einander das Misstrauen aussprechen.
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| Kulle-Gerhard: |
(steht erregt auf) He, Mann, was soll das, das war mein Part!
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| Bärdel-Münte: |
Gerd, setz sich! Du solltest nach außen hin immerhin noch so viel Anstand haben, mit dem Vorsitzenden der Espehde zusammen aufzutreten! Also - der Kanzler fordert euch zur Vertrauensfrage auf, nach Artikel 68 Grundgesetz!
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| Athabasca-Claudia: |
Schön! Wir werden ihm mit der notwendigen Kanzlermehrheit das Vertrauen aussprechen, und alles wird gut! Wie ich schon sagte, ich vertraue prinzipiell jedem....
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| Ramses-Joschka: |
Dumme Pute, halt endlich mal dein Maul! Seit Jahren kann ich dich schon nicht ertragen! (zu Kulle-Gerhard) Du willst die Vertrauensfrage stellen? Im Bundestag? Warum?
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| Kulle-Gerhard: |
Um zu verlieren! Und um dann die nächste Wahl zu gewinnen!
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| Ramses-Joschka: |
Warst du letztens beim Arzt? Hast du dich durchchecken lassen? Ist mental wirklich alles in Ordnung?
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| Kulle-Gerhard: |
Danke, ja! Was willst du denn? Noch 15 Monate weiterwursteln und zusehen, wie alle unsere Gesetzesvorhaben an der CDU-etc.- Mehrheit im Bundesrat scheitern?
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| Ramses-Joschka: |
Ja, genau das will ich! Weil vielleicht dann auch der blödeste Wahlberechtigte merkt, dass nicht unsere Gesetze falsch sind, sondern dass der Bundesrat falsch liegt!
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| Bärdel-Münte: |
Gerd, da könnte was dran sein.
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| Kulle-Gerhard: |
(schreit) Und wenn schon! Ich hab die Faxen dicke! Ich hab mich übernommen! Ich will nicht mehr! Ich halt das nicht mehr aus! Kapiert das denn keiner!
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| Athabasca-Claudia: |
Aber Gerd, du hast mein vollstes Vertrauen und das der grünen Fraktion!
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| Kulle-Gerhard: |
Ich will das aber nicht, verdammt noch mal!
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| Bärdel-Münte: |
Wir sollten hier differenzieren. Am 30. Juni stehen noch einige Entscheidungen an, bei denen der Kanzler euer uneingeschränktes Ja' für eine eigene Mehrheit benötigt. Da müsst ihr ihm zeigen, dass ihr ihm vertraut. Einen Tag später allerdings müsst ihr zeigen, dass ihr ihm vertraut, indem ihr so abstimmt, dass ihr ihm misstraut. Nach dem leicht abgewandelten Motto von Lenin: Vertrauen ist gut, Misstrauen ist besser'.
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| alle gleichzeitig |
| Kulle-Gerhard: |
Der Franz spricht mir aus der Seele.
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| Athabasca-Claudia: |
Ich verstehe überhaupt nichts.
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| Ramses-Joschka: |
Der alte Fuchs.
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| Langes Schweigen |
| Auftritt Merkel |
| Tumu-Angie: |
Guten Abend.
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| Ramses-Joschka: |
(nach sehr langer Pause) Guten Abend.
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| Pause |
| Tumu-Angie: |
Ich komme ungelegen?
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| Bärdel-Münte: |
Ja, aber in gewisser Weise kommen Sie gelegen.
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| Tumu-Angie: |
Können Sie das erläutern?
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| Bärdel-Münte: |
Selbstverständlich. (Pause)
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| Tumu-Angie: |
(unbehaglich) Also?
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| Bärdel-Münte: |
Nun...
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| Tumu-Angie: |
(zunehmend unruhig) Was?
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| Bärdel-Münte: |
Es gilt, gewisse Dinge aufzuräumen.
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| Tumu-Angie: |
Das ist mir klar. Das ist mir schon lange klar. Welche Dinge?
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| Kulle-Gerhard: |
(explodiert) Das blöde Weib soll doch nicht so tun, als könnte es die Probleme besser lösen als ich. Es versteht sie ja noch nicht einmal. Frauen und Gedöns und Politik - das ich nicht lache! Und überhaupt, eine kinderlose Politikerin sollte gar nicht erst versuchen,...
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| Tumu-Angie: |
Herr Bundeskanzler, was Kinderlosigkeit angeht, so sollten gerade Sie ganz vorsichtig sein. Im Übrigen, denke ich, sollten wir sachlich bleiben. Sachlichkeit war schon immer eine Stärke der CDU. Sachlichkeit und Sachkompetenz. Wo die CDU regiert, da geht es den Menschen besser, wie ich immer sage.
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| Ramses-Joschka: |
Nun ja...
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| Kulle-Gerhard: |
(immer noch sehr aufgeregt) Sie sagen doch sowieso immer nur das Gleiche!
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| Tumu-Angie: |
(süffisant) Ws man von Ihnen nicht gerade sagen kann, Herr Bundeskanzler. Wenn mich nicht alles täuscht, wandeln Sie Ihre sprichwörtliche Forderung“ Ich will hier rein!“ gerade ab in: “Ich will hier raus!“
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| Kulle-Gerhard: |
(explodiert schon wieder) Woher wollen Sie das wissen?
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| Bärdel-Münte: |
(ruhig, raucht seinen dritten Zigarillo) Man muss kontinuierliche Politik eben den Gegebenheiten anpassen, Frau Merkel, das müssen Sie erst noch lernen.
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| Tumu-Angie: |
Falsch, Herr Müntefering, das habe ich längst gelernt. Als Physikerin an einem staatstragenden Institut des ehemaligen Unrechtsstaats DDR und jetzige CDU-Vorsitzende Deutschlands halte ich es seit der Wende stets mit dem großen Adenauer: “Was schert mich mein Geschwätz von gestern?!“
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| Ramses-Joschka: |
(kichert in sich hinein) CDU-Vorsitzende Deutschlands, das ist gut!
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| Athabasca-Claudia: |
Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, was das hier alles soll. Ich bin so unheimlich betroffen von ... von ...
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| Tumu-Angie: |
(unterbricht das Gestammel) Wir von der CDU/CSU werden die rot-grüne Bundesregierung ablösen, und das ist gut so. Dieses Land braucht Politik aus einem Guss. Darum geht es ...“
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| Bärdel-Münte: |
Und - wie wollen Sie das machen?
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| Tumu-Angie: |
Wir werden die rot-grüne Bundesregierung ablösen. Und dann werden wir ... werden wir ...
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| Bärdel-Münte: |
(drückt seinen Zigarillo aus) Gerd, ich freue mich auf angenehme Oppositionszeiten! Trinken wir ein Glas guten Rotspon?
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| Kulle-Gerhard: |
Ich hasse die Farbe Rot! Außerdem muss ich nach Hause - ich habe Viktoria versprochen, mit ihr zu spielen.
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| Athabasca-Chaudia: |
Joschka, was sollen wir jetzt bloß tun?
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| Ramses-Joschka: |
Wir gehen essen. Ich lade dich zum Vegetarier ein - für den kommenden Wahlkampf muss ich abspecken. Frau Merkel, möchten Sie sich vielleicht anschließen? Man kann ja nie wissen...
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| Tumu-Angie: |
Vielleicht nach der Wahl, Herr Fischer, vielleicht nach der Wahl. Jetzt habe ich eine Verabredung mit Herrn Westerwelle zu einem Arbeitsessen, übrigens in einem Drei-Sterne-Restaurant - das entspricht im Moment wohl nicht gerade Ihren Bedürfnissen. Die Bänke der Opposition sind hart, und Abgeordnetendiäten sind deutlich niedriger als Ministerbezüge. Guten Abend allerseits. (geht ab)
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| Die Versammlung löst sich auf. Bärdel-Münte bleibt allein zurück und zündet sich den vierten Zigarillo an. |
| Bärdel-Münte: |
(murmelt) Es gibt doch deutsche Heuschrecken.... |